Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW in Basel
«Beobachtung» als lustvoller Voyeurismus und selbstreflexive Bespiegelung
Projekt | Seminar
Barbara van der Meulen
Montag 13.30 – 15.00 Uhr
Raum 213 Institut Kunst Offenburgerstr. 1 4057 Basel

Das Seminar geht historisch wie theoretisch dem Phänomen der «Beobachtung» in Kunst, Design, Film und Architektur nach. Seit der Antike zeigen zahlreiche Beispiele wie sich eine gezielte Konzentration, Beobachtung und Aufmerksamkeit nicht nur motivisch, sondern an unterschiedlichen Medien auf unterschiedliche Weise niederschlägt. Nahm Albrecht Dürer den weiblichen Körper durch ein Proportionsraster ins Visier der Berechenbarkeit, so inszenieren biblische und mythologische Erzählungen (z. B. «Susanna im Bade») erotische Beobachtungsszenarien eines lustvollen Voyeurismus. Sehr viel später, in Edouard Manets «Nana», und in den Schlüsselloch-Perspektiven Marcel Duchamps wird Beobachtung als ein ebenso sozialer wie ästhetisch konnotierter Voyeurismus thematisiert. Der analoge und digitale Schnappschuss brachte schließlich eine Flut flüchtiger, scheinbar authentischer Beobachtungen hervor. Alfred Hitchcocks «Fenster zum Hof», bis hin zu den postmodernen Überwachungs-Installationen von Raphael Lozano-Hemmer, thematisieren die selbstreflexive Beobachtung einer systemtheoretischen «Beobachtung der Beobachtung» (Niklas Luhmann). Sie stehen in einer Tradition von Metabildern (W.J.T. Mitchell), die eine Selbstbespiegelung ihrer Darstellungsform beabsichtigen. Sobald sich die hohe wie angewandte Kunst im Zuge der Moderne anfängt selber zu beobachten, fällt das Raster der zentralperspektivischen Betrachtung auseinander. Wir sind es nun, die zum Gegenstand einer nicht immer angenehmen Beobachtung geworden sind

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